Schmetterling, du kleines Ding…

Veröffentlicht am 16. Juni 2016 von Judith Metz in Projekte mit 2 Kommentaren

P1050448Schmetterling, du kleines Ding…..

Vom Wunder der Verwandlung einer kleinen Raupe zu einem schönen Schmetterling

Lisa (7 Jahre) zeigt mir voller Stolz einen Zeitschriftenausschnitt, auf dem ein blauer Schmetterling zu sehen ist. Es ist ein Morpho Falter, der in den tropischen Regenwäldern Mexikos, Mittelamerikas, im nördlichen Südamerika und auf den westindischen Inseln vorkommt.

Ich erzähle Lisa von meinem Bruder Wolfgang, der seit seinem 11. Lebensjahr Schmetterlinge sammelt und züchtet. Mittlerweile ist er ein anerkannter Entomologe, der weltweit mit anderen Insektenforschern in Kontakt steht. Ihn wollte ich fragen, ob er uns Fotos von diesem Falter zuschicken kann.

P1020913  Egal, wo Wolfgang Urlaub macht, das Schmetterlingsnetz ist immer dabei.

 

Wolfgang kam meiner Bitte nach und schickte einige Fotos. Dann machte er den Vorschlag, dass er uns von einem französischen Züchter Eier des Morpho Falters besorgen kann. Mit etwas Glück, Pflege und Geduld könnten die Kinder dann die Entwicklung des Falters von einem Ei über das Stadium der Larve (Raupe) und der Verpuppung bis zum Schlüpfen des Falters beobachten.

Ein toller Vorschlag und natürlich stimmte Lisa und ich dem zu.

 

  1. Mai 2016

Es ist soweit, ein kleines Kunststoffdöschen mit den Eiern des Morphofalters ist bei Wolfgang angekommen.

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Wolfgang behält die Eier, bis die Räupchen ausgeschlüpft sind und fressen. Denn diese Phase ist sehr sensibel und bedarf einiger Erfahrung, die wir nicht haben.

IMG-20160530-WA0000  Einige der Schmetterlingseier sind fast durchsichtig, bei den anderen Eiern schimmern die dunklen Räupchen schon durch. Sie sind kurz vor dem Schlüpfen.

 

  1. Juni 2016

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Die ersten Raupen sind geschlüpft. Sie fressen als erstes ihre Eihülle. Sie haben sozusagen die erste Nahrung dabei, um zu Kräften zu kommen.

  1. Juni 2016

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Nachdem sich die geschlüpften Raupen mit dem angebotenen Futter Rot- und Weißklee schwer getan haben, fressen sie jetzt endlich.

Sie haben die erste Häutung hinter sich und können jetzt in die Kita umziehen. Schön sehen sie aus.

Bitte beachten: Bei den Blättern handelt es sich um Wiesenklee! Die Raupen sind also ziemlich klein!!!!

12. Juni 2016

Jetzt haben wir die Verantwortung für die kleinen Raupen.

Jeden Morgen bekommen sie frischen Wiesenklee und die Box wird sauber gemacht. Eine Aktion, bei der die Kinder mithelfen können.

Und jeden Morgen zählen wir, ob alle acht Raupen noch da sind und leben.

20. Juni 2016

Ja, alle Raupen leben noch und fressen tüchtig. Jeden Tag  helfen andere Kinder den Behälter sauber zu machen, neues Futter einstellen und die Raupen zu zählen.

Am Wochenende haben sich die Raupen wenig bewegt – dafür lagen Teile ihrer Haut auf dem Boden des Behälters. Ein Zeichen dafür, dass die zweite Häutung eingesetzt hat! Und das ist ein gutes Zeichen.

Sie sind auch tüchtig gewachsen und heute in einen größeren Behälter umgezogen. Die Kinder können die Raupen jetzt besser beobachten, denn der Behälter ist aus Glas und steht im Experimentierzimmer.

P1050446P1050448P1050450  Lisa hat am Wochenende ein wunderbares Bild gemalt! Toll, Lisa!

Immer wieder können wir Kinder beobachten, die vor dem Raupenbehälter sitzen und die Raupen beobachten. Die Kinder holen Sachbücher aus der Bücherecke, schauen nach welche Schmetterlinge sie dort entdecken. Es werden Schmetterlinge gebastelt, Schmetterlingslieder gesungen.

Einige Kinder malen Bilder mit Soft-Pastellkreide von unseren Raupen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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P1050456  Mahlzeit!

28. Juni 2016

Die Kinder der Waldgruppe haben heute Schmetterlinge und andere Insekten gefangen und bringen sie in einem Netz in die Kita. Nachdem sie mit Hilfe eines Bestimmungsbuches herausgefunden haben, um welche Insekten es sich handelt, werden die Krabbeltierchen wieder frei gelassen.

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30. Juni 2016

„Judith, Judith – komm schnell!!  Ich glaube eine Raupe stirbt!“ Kinder kommen ins Büro gerannt und zeigen mir besorgt eine Raupe, die irgendwie komisch aussieht.

„Wir haben sie ganz lange beobachtet, aber sie bewegt sich gar nicht“, berichtet Linus.

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Aber keine Sorge, in der Phase der Häutung bewegen sich die Raupen kaum. Das es ihnen gut geht, kann man daran erkennen, dass sie ganz schön groß geworden sind.

Mit einem Lineal haben die Kinder nachgemessen: die kleinste Raupe ist 2,5 cm lang und die größte stolze 6 cm.

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Jeden Tag helfen andere Kinder die Raupen zu füttern und den Behälter zu säubern. Die Raupen sind ziemlich neugierig und krabbeln auch schon mal auf die Hand der Kinder. Beachten Sie, wie liebevoll Christopher den Raupen zuschaut!  Gaaaaanz vorsichtig sind die Kinder im Umgang mit ihnen.

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8. Juli 2016

 

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Hier kann man super sehen, wie unsere Raupen wachsen. Sie sind sehr unterschiedlich in der Größe, aber alle sehen sehr schön gefärbt aus. Ob sie keine Angst haben von den Vögeln gesehen zu werden und dann gefressen zu werden? Aber sie verstecken sich gut zwischen den Blättern und Blüten des Klees! Auf dem mittleren Bild könnt Ihr sehen, wie die Raupe ihre Kopfhaut auszieht. Sie ist zu klein geworden und wird einfach abgestoßen. Das macht die Raupe auch mit ihrer übrigen Haut.

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Jeden Tag besuchen Kinder und Erwachsene die Raupen. Schaut mal auf das mittlere Bild! Es sieht aus, als ob die Raupe Sammy „Guten Tag“ sagen will.

Toll, dass so viele Kinder helfen die Raupen zu füttern und den Käfig zu säubern.

20160718_112310   Unser Sorgenking „Oskarchen“ ist immer noch mini klein und zieht deshalb in eine kleine Box um. Er bekommt den saftigsten Klee und wird gehindert ständig im Käfig herum zu laufen. Hoffentlich wächst er jetzt endlich!!!

20160718_112450        Guckt mal die Beiden!  Ob sie sich etwas zu erzählen haben?

 

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11. Juli 2016

Es ist etwas ganz merkwürdiges passiert! Mit der 5. Häutung haben die Raupen ihre Farbe verändert!!! Sie sind jetzt nicht mehr so leuchtend bunt, sondern eher orange braun. Außerdem sitzen sie tagsüber ganz still auf den Stängeln, aber morgens sind alle Blätter aufgefuttert.

Warum fressen sie denn jetzt nachts???

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Es ist Zeit, dass die Raupen in einen größeren Käfig umziehen. Denn die Zeit des Verpuppens scheint näher zu rücken. Wolfgang hat uns erklärt, dass die Raupen nachts fressen, damit sie tagsüber von ihren Fressfeinden nicht gesehen werden. So dick wie sie sind, wären sie sicher ein willkommener Leckerbissen für Vögel und andere Tiere.

„Wer hat den Raupen denn erklärt, dass sie sich so verhalten?“ fragen die Kinder beim Raupen versorgen. „Niemand“, antworte ich. „Die Natur hat das alleine geregelt. Raupen, die sich so verhalten, wurden von anderen Tieren nicht gefressen und Raupen, die tagsüber rumkrabbeln und sich nicht tarnen, wurden gefressen und konnten sich nicht fortpflanzen. Also haben sich nur Raupen fortgepflanzt, die dieses Verhalten hatten.“

20160710_202206   20160710_202223  Die Raupen haben fast die Farbe von dem Holz und sind so gut getarnt. Wie viele Raupen könnt ihr entdecken?

 

 

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   In diesem Käfig ist genügend Platz, damit sich die Raupen verpuppen können.

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Könnt Ihr Euch vorstellen, dass aus unseren Raupen solch schöne Schmetterlinge werden?

12. Juli 2016

Heute ist ein besonderer Tag. Wir sind in die Hörbacher Grundschule eingeladen, um mit der ersten Klasse gemeinsam am Thema Schmetterlinge zu arbeiten. Lisa hat ihrer Lehrerin Frau Hanstein von dem Projekt erzählt und wir freuen uns gemeinsam zu lernen.

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Es wurde gemeinsam gelernt, gestaunt und gelacht. „Das war ein richtig schöner Tag“, strahlte Ruth mich an.

21./22. Juli 2016

Wir sind traurig – Oskarchen ist in der Nacht gestorben.

23. Juli 2016

Fast zwei Wochen nachdem die ersten Raupen geschlüpft sind, verpuppen sich die ersten.

Zunächst färben sie sich grün, hängen sich dann mit dem Hinterteil an einen erhöhten Platz und ziehen sich zusammen. Sie erstarren, aber wenn man genau hinschaut bewegen sie sich minimal.

20160723_151838  Am Rücken sind noch gut die Haarbüschel zu erkennen, die wie Stachel aussehen.

Zwei Raupen im Vor-Puppen Stadium haben wir mittlerweile und drei, die sich regungslos auf einen Ast gesetzt haben.

20160723_151915  Man muss schon genau hinschauen, um die drei Raupen zu entdecken.

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Eine Raupe ist noch relativ klein, aber tüchtig am fressen. Wenn Ihr genau hinschaut, könnt Ihr erkennen, dass ein Saugnapf-Füsschen abgerissen ist.

SCHADE, DASS UNSERE KINDER DIE ENTWICKLUNG JETZT NICHT LIVE BEOBACHTEN KÖNNEN – DIE KITA HAT FERIEN.

Judith hat die Raupen zu sich nach Hause geholt, um sie weiter zu versorgen und die Entwicklung mit der Kamera zu begleiten.

25. Juli  bis 15. August 2016

Puh, ganz schön viel Arbeit die Raupen ohne die Mithilfe der Kinder zu versorgen!!

Gerade in der ersten Woche musste jeden Tag der Zuchtkäfig gereinigt werden, Futter gesucht und zurecht gemacht werden, die Raupen wieder eingesetzt werden und alles kontrolliert werden.

Aber dann verpuppte sich eine nach der anderen Raupe. Es war faszinierend zu sehen, wie die Raupe erst in eine Erstarrung fiel, dann platzte die Haut am Rücken auf und die Raupe/Puppe stülpte die letzte Haut ab. Aber nicht nach unten, sondern die Haut hing oben an der Puppe. Dann fing die Puppe an sich so lange im Kreis zu drehen, bis die Haut runter fiel.

Dann war Ruhe.

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Einige Fotos von den Puppen. Wenn sie mitten im Klee stehen, sind sie kaum zu entdecken.

8. August 2016

Heute ist der erste Schmetterling geschlüpft. Welch eine Aufregung.

Zunächst färbte sich die Puppe immer dunkler. Dann ging alles ganz schnell. Die Puppe platzte unten auf und der Schmetterling kroch heraus. Er hielt sich an der Puppehülle fest.  Dann presste er ganz viel Flüssigkeit aus seinem Po und fing an die Flügel aufzupumpen. Nach vierzig Minuten war es soweit: Der Falter war fertig und sieht sooo schön aus.

Kommentare

  1. Margit Franz am 21. Juni 2016 um 13:24 Uhr

    Liebe Kinder und liebes KiTa-Team,

    das ist ja super spannend mit den Morpho-Raupen. Wie schön bunt die Raupen aussehen. Was ist das für ein brauner Büschel an der Raupe? Ist das hinten oder vorne? Sind das Haare? Aber wozu braucht eine Raupe Haare, frage ich mich?

    Passt schön auf die Raupen auf, damit herrliche Schmetterlinge daraus werden. Können die Schmetterlinge den bei Euch in Hörbach überleben? Ich meine weil sie ja von weit weg kommen. Finden Sie hier das richtige Futter?

    Und noch was: Ich finde die Malbilder der Kinder wunderschön. So schön bunt und genau gemalt – da kann ich die Raupen richtig gut erkennen. Also ich bin sehr gespannt, wie es mit den Raupen weitergeht und wann sie sich verpuppen werden.

    Herzliche Grüße aus Darmstadt!
    Margit Franz

  2. judith am 14. Juli 2016 um 17:15 Uhr

    Sooo spannend

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